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 Beitrag Verfasst: Mittwoch, 19. Januar 2011, 21:57:46 
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Registriert: Freitag, 24. April 2009, 02:22:55
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Diese traurige aber auch wahre Geschichte spielte sich im Jahr 1972 in Raum Nürnberg ab. Es handelt sich um den damals 39 Jahre alte taubstumme Gelegenheitsarbeiter Kuno Hofmann der als "Vampir von Nürnberg" oder "Vampir vom Westfriedhof" traurige Berühmtheit erlangte, weil er nach eigenen Angaben im Raum Nürnberg auf Friedhöfen mehr als 35 Leichen geschändet hat. Vom Sommer 1971 an ist er in der Bundesrepublik, meist mit dem Mofa, unterwegs. Von München bis Sylt hat er sich an Leichen von Frauen herangemacht, sie sogar ausgegraben, sie betrachtet und untersucht. Aus Kuno Hofmann wird der "Vampir von Nürnberg". Den Feststellungen des Gerichts zufolge, ist er seit frühester Kindheit gehörlos. Schon damit unendlich beschwert, war er auch "besonderen Erschwernissen" ausgesetzt. Als Kind ist er 1932 im Elternhaus von einem "hochkriminellen Vater" und von einer überforderten Mutter ohne die Förderung geblieben, die notwendig gewesen wäre. Gewalt war an der Tagesordnung. So wurde Kuno Hofmann immer wieder von seinem Vater geschlagen. Kuno Hofmann soll ein Jahr alt gewesen sein, als sein Vater ihn ans Fensterkreuz hängte und schlug. Einmal soll dieser Vater den Sohn in einen Sack gesteckt und weggeworfen haben. Die Gewalt die Hofmann als Kind und jugendlicher erdulden musste, hat mit Sicherheit ein schweres Defizit zur Folge gehabt, was Kuno Hofmanns Entwicklung angeht.

Fast die Hälfte seines Lebens hat er dann auch vom 17. Lebensjahr an in Strafanstalten oder in Heil- und Pflegeanstalten verbracht. Das alles widerfuhr einem Kind, das gehörlos war, das noch weitaus schutz- und hilfsbedürftiger ist als jedes andere Kind. Als Kuno Hofmann auf eine Gehörlosenschule samt Internat kam, war der seelische Schaden schon unheilbar. Der Versuch, in einer Gehörlosenwerkstatt das Schusterhandwerk zu lernen, scheitert. Er findet in der Landwirtschaft Beschäftigung. 1951 wird ihm gekündigt, ob wegen Arbeitsmangels oder weil er endlich Tariflohn erhalten will, ist unbekannt. Noch einmal versucht das Jugendamt erfolglos, ihm eine Lehrstelle zu verschaffen. Es folgen Diebstähle und räuberische Erpressung und kleinere Hilfsarbeiten die ihn über Wasser halten. Es beginnt so eine Kette der Einschließungen in Strafanstalten oder Häusern, die der "Besserung und Sicherung" dienen. In dieser Zeit flüchtet Hofman 12 mal aus Jugend oder psychiatrischen Anstalten. Nur etwa fünf Jahre befindet sich Kuno Hofmann bis zum Sommer 1971 immer wieder kurz in Freiheit. Seit der letzten Entlassung im Sommer 1971 lebt er mit Schwester und Bruder zusammen. Im Laufe der Zeit flüchtete Hofmann immer mehr in seine eigene Welt, er träumt davon endlich wieder hören und sprechen zu können. Kuno Hofmann hat jedoch nicht nur diesen Wunsch, er möchte endlich die Damenwelt betören und eine Frau kennenlernen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht, sei es auch noch so makaber. Er führt nach außen ein unauffälliges Leben. Doch in ihm ist alles endgültig ins Heillose abgestürzt. Kuno Hofmann meinte, denn er war an ein Buch über "Schwarze Magie" geraten das ihm einige Satanisten geschenkt hatten, er könne eine Tote zum Leben erwecken, indem er ihr Blut mit seinem mischte.

Er schleicht in der Nacht auf Friedhöfen herum, bricht in Leichenhallen und Krematorien ein und manipuliert Leichen. Letztendlich will er seinen Traum endlich wahrmachen, in dem er das Blut einer frisch vestorbenen Frau trinkt, es soll ihn endgültig "heilen". Und so beginnt Kuno Hofmann einen teuflischen Plan zu schmieden. Niemand weiss bis heute, warum er Kopien der Schlüssel für den örtlichen Friedhof besessen hat, so konnte er ungehindert seinen Taten nachgehen. Er suchte sich seine Opfer so aus, indem er die Todesanzeigen in den Zeitungen durchstöberte, oder sofort die Totenhallen aufsuchte. Fand er dort keine frischen Leichen, grub er frische Gräber aus und trank dort vom Blut der kürzlich verstorbenen. Er stach dabei meistens mit einer Rasierklinge in die Körper der Leichen, oder trennte deren Kopf gar ganz ab! Am 6. Mai 1972 brach Hofmann im Krematorium des Nürnberger Westfriedhofes ein. In bestialischer Weise verging er sich dort an der Leiche eines 15-jährigen Mädchens, das gerade erst verstorben war. Anschließend trug er das Mädchen über das Friedhofsgelände zu einer nahe gelegenen Parkbank, dort setzte er das Mädchen ab und begann ihr Blut zu trinken. Was Hofmann allerdings nicht wusste war, das der 45-jährige Friedhofswärter Georg Warmuth zu diesem Zeitpunkt gerade seinen Dienst antrat. Warmuth überraschte Kuno Hofmann mit der Leiche des Mädchens und wollte diesen zur Rede stellen. Kuno Hofmann reagierte damit, das er Georg Warmuth durch einen Schuss in den Bauch niederstreckte und ohne Hilfe liegen ließ. Warmuth hatte großes Glück und überlebte schwer verletzt.

Das war jedoch noch nicht das Ende in jener Nacht. Bereits wenig später sollte Hofmann noch mehr Blut vergießen und das Leben von zwei jungen Menschen beendet haben. Kuno Hofmann schien es nicht mehr zu reichen einfach Leichen in Totenhallen oder aus frischen Gräbern zu missbrauchen. Jetzt wollte er frisches Blut! Noch in der selben Nacht nähert er sich bei Lindelburg an einem Waldstück, einem Auto mit einem turtelnden Liebespaar. Hofmann beobachtete das junge Paar aus einem sicheren Versteck heraus. Der 24-jährige Berufskraftfahrer Markus Adler und seine 18-jährige Verlobte Ruth Lissy, wissen in dem diesem Moment noch nicht das ihr Leben bald ein brutales Ende nehmen wird. Schließlich stürmte Hofmann auf das Auto zu und erschoss das junge Liebespaar brutal und ohne den Hauch einer Chance sich zu wehren. Er entblößt anschließend die Leiche der jungen Frau und trinkt von ihrem Blut. Als sich ein Wildhüter dem an einem Waldrand abgestellten Wagen näherte, flüchtete Kuno Hofmann wieder in Richtung Nürnberg. Mehrere Zeugen sagten wenig später, sie hätten einen Mann mit überhöhter Geschwindigkeit und einem roten Roller aus dem Waldstück wegfahren sehen. Einige dieser Zeugen notierten sich dabei das Kennzeichen von Hofmanns Mofa. Ab jetzt wurde Kuno Hofmann von der Polizei gesucht. Schon vier Tage später konnte Hofmann festgenommen werden. Die Polizei war durch den Anruf eines Lagerarbeiters einer Nürnberger Firma auf die Spur Hofmanns gekommen. Hofmann, der dort als Hilfsarbeiter beschäftigt war wurde auf dem Firmengelände festgenommen. In einem Versteck wurde auch ein rotes Mofa entdeckt, wie es ein Zeuge am Tatort des Doppelmordes beobachtet hatte. Kuno Hofmann war sofort geständig! Die Polizei prüfte sofort, ob Hofmann auch für zahlreiche ungeklärte andere Leichenschändungen verantwortlich sein könnte.

Der Prozess gegen Kuno Hofmann

Kuno Hofmann wurde nach seiner Verhaftung in eine geschlossen Anstalt in Straubing eingewiesen. Sehr schnell sollte das Verfahren gegen ihn beginnen. Doch er reagiert nicht, er kann sich offenbar nicht einmal mehr in der Zeichensprache der Gehörlosen verständigen. Man befindet, er sei verhandlungsunfähig. Auch im Juli 1974 kann es aus diesen Gründen zu keiner Verhandlung kommen. Endlich im Jahr 1976 konnte man verhandeln, nachdem sich Gehörlosenlehrer fast zwei Jahre lang um ihn bemüht hatten. In dieser Zeit befassten sich sechs Sachverständige mit Hofmann, unter ihnen der Leiter der Hamburger Gehörlosenschule, Helmut Starke, und der Psychiater Dr. Eberhard Rößler. Sie bescheinigten ihm ein gutes Erinnerungsvermögen und eine "gewisse Schlitzohrigkeit". Die Sachverständigen berichteten allerdings vor Gericht über die große Schwierigkeit, mit Hofmann in Kontakt zu kommen. In der Haftanstalt Straubing hatte ein Taubstummendolmetscher lange Zeit vergeblich bemüht, Kontakte zu dem Angeklagten herzustellen. Als man schließlich keine andere Möglichkeit mehr sah, täuschte der Lehrer einen Schwächeanfall vor. Hofmann reagierte sofort und bemühte sich um schnelle Hilfe. Überraschend gab Hofmann dem als Dolmetscher fungierenden Taubstummenlehrer Karl-Hans Vicari aus Straubing zu verstehen, daß er sich verständlich machen wolle.

Vicari zum Gericht:

"Er ist heute sehr willig."

Hofmann konnte sich an Tatzeiten und Einzelheiten erinnern, doch gab er auch Schilderungen, die den der Anklage zugrunde liegenden Ermittlungen widersprachen. Bei seinen "Gesprächen" mit dem Taubstummenlehrer konnte man kaum hörbare Laute wahrnehmen. Immer wieder mußte Vicari den Angeklagten antippen, ihm auf die Lippen zu sehen. Mit einem Bilderbuch für kleine Kinder hatte der Leiter der Hamburger Gehörlosenschule, Helmut Starke, verdrängte Begriffe bei Hofmann wieder belebt. Er habe nach und nach wieder lesen gelernt und gab zu verstehen, das sei alles Quatsch, was da über ihn berichtet würde. Nach Ansicht von Dr. Hans Schildmaier von der Straubinger Justizvollzugsanstalt hat Hofmann seine Situation durchaus erkannt. Als er im November 1974 das Wort "Blutsauger" gelesen habe, habe er die Bezeichnung richtig aufgefaßt und Wert darauf gelegt, nicht als Geisteskranker zu gelten. Der Hamburger Psychiater Dr. Roessler, der Kuno Hofmann für schuldfähig hielt, meinte in Nürnberg, Kuno Hofmanns Meinung sei halt ein Aberglaube, doch ein Aberglaube sei nicht mit einem Wahn gleichzusetzen. Der Psychiater Dr. Schildmayer nahm eine verminderte Schuldfähigkeit an.

Und die Anklage sprach höchst engagiert von der beachtlichen Intelligenz des Kuno Hofmann: "Da war ein reger Geist am Werk."

Die Anklage setzte nicht fort, was die Presse begonnen hatte. Sie behauptete nicht, Kuno Hofmann habe "mit dem raffinierten Umbau seines Mofas (nach den Bluttaten nahm er die Tankattrappe immer wieder ab)" bewiesen, daß er sehr überlegt und kaltblütig vorging". Sie sah in der Tankattrappe nicht mehr als Geltungsbedürfnis. Doch Staatsanwalt Brenneis sprach auch von den "geistigen Kräften", in deren Vollbesitz sich Kuno Hofmann befand. Die "Fehlleistung" des Angeklagten, Tote zum Leben erwecken zu wollen, wirke "närrisch"(es sei etwas anderes, ob man sich an eine Leiche heranmache oder ob man sich zum Töten entschließe. Für die Anklage hat Kuno Hofmann nur Leichen bestehlen wollen. Was die Gehörlosigkeit angehe, so habe Kuno Hofmann diesen Mangel "durch Lebenserfahrung hinreichend ausgeglichen". Im Prozess gegen Hofmann wurden ihm der Doppelmord und ein Mordversuch zur Last gelegt. Wegen der Leichenschändungsdelikte mußte er sich nicht verantworten, weil die Staatsanwaltschaft die Anklagepunkte "als nicht gravierend" fallen ließ, nachdem die Mordtaten bekannt geworden waren. Hofmann gestand in über 35 Fällen die Leichenschändung sowie versuchten Mord an der Friedhofswärter und den Doppelmord mit der Aussage er wollte mit seinem Taten einen neuen Menschen aus sich machen.

Das Gericht um Richter Egon Schiller verurteilte Kuno Hofmann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Gericht ist dabei überaus gewissenhaft gewesen. Man gewann sogar den Eindruck, daß es sich in Gewissensnot befand. Doch zuletzt ging es für das Gericht offenbar vor allem darum, wo Kuno Hofmann (der unstreitig gefährlich ist, war und leider wohl auch bleiben wird) sicherer verwahrt werden konnte in einer Strafanstalt oder in einem psychiatrischen Krankenhaus. Das gericht entschied sich für die Strafanstalt, da Kuno Hofmann im Juli 1971 bedingt aus einem Bezirkskrankenhaus entlassen worden ist, weil man meinte, das Ziel der Unterbringung ("Besserung und Sicherung") sei erreicht. Darf indessen ein Gericht die Frage, ob der Angeklagte schuldunfähig ist oder ob ihm wenigstens die Milderungsgründe der verminderten Schuldfähigkeit zustehen, vorn Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit her entscheiden? Das Nürnberger Gericht, das Kuno Hofmann eine "hochpathologische Persönlichkeit" nannte, von erheblicher Störung des Gefühls- und Trieblebens sprach (und auch einen Hirnschaden nicht mit Sicherheit ausschließen konnte), hat dennoch hinsichtlich der beiden Tötungen von Milderungsmöglichkeiten nicht Gebrauch gemacht.

Ein Freispruch wegen Schuldunfähigkeit (der die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus bedeutet hätte) wurde überhaupt nicht erörtert. Hatte Kuno Hofmann schuldfähig zu sein und mußte auf Milderungsmöglichkeiten verzichtet werden, damit Kuno Hofmann in einer Strafanstalt sicherer als in einem psychiatrischen Krankenhaus eingeschlossen werden kann? Das Gericht war nicht nur gewissenhaft, es schien auch in Gewissensnot, beispielsweise als es Kuno Hofmann "trotz seiner Taten und seiner Veranlagung" einen "armen Menschen" nannte. Nur für den Schuß auf den Friedhofswärter milderte es wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit. Bei der Tötung des Brautpaars sei Kuno Hofmann "Herr der Situation" gewesen. Es war hartnäckig von der Intelligenz des Kuno Hofmann die Rede. Daß normale Intelligenz eines Gehörlosen Wahn nicht ausschließt (etwa wenn ein Gehörloser intelligent, jedoch durch eine zusätzlich ruinierte Entwicklung mit dieser Intelligenz eher geschlagen als versehen ist), kam nicht zur Sprache.

Verteidiger Schußmann versuchte die Revision. Das Gericht hat den § 51 angewandt, was die Frage der Schuldfähigkeit angeht, weil dieser 1972 galt. Heute gelten die §§ 20, 21. Diese handeln von "krankhafter seelischer Störung", von "schwerer anderer seelischer Abartigkeit" und nicht, wie der § 51, von "krankhafter Störung der Geistestätigkeit". Die lebenslange Haft Kuno Hofmanns endete im Jahr 2004.

Kuno Hofmann lebt heute mittlerweile anonym im Nürnberger Raum.



Quellen:

http://www.abendzeitung.de/nuernberg/20429

http://www.crimezzz.net/serialkillers/H/HOFMANN_kuno.php


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 Beitrag Verfasst: Freitag, 29. Juli 2011, 10:05:48 
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Registriert: Dienstag, 26. Juli 2011, 07:30:15
Beiträge: 4
Wohnort: Schweiz
Hallo Vinci

Sei langem komme ich wiedereinmal in den Genuss einer deiner interessanten Posts ;)

Eine sehr interessante Geschichte und ich muss sagen, auch in mir regt sich Mitleid für den ursprünglich armen Jungen der Kuno mal war.

Krass das er immernoch lebt, lebt er in Freiheit?

Auf jeden Fall eine wahnsinnig eindrückliche Horrorgeschichte aus der "Nachbarschaft"

Greetz

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Whity


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